Die Früchte der Insel – Madeiras tropisches Schlaraffenland
Madeira ist eine Insel des ewigen Frühlings, und das zeigt sich besonders auf ihren Märkten. Hier türmen sich leuchtende Farben und betörende Düfte – eine Symphonie der Natur, komponiert aus süßen Bananen, duftenden Maracujas und exotischen Kostbarkeiten, die auf dem Festland nur als Importware zu finden sind. Die vulkanischen Böden und das milde, feuchte Klima machen Madeira zu einem Paradies für Obstliebhaber.
Madeira-Banane – Klein und süß
Die Madeira-Banane ist das goldene Wahrzeichen der Insel. Sie ist deutlich kleiner als die Importware aus Südamerika, dafür aber ungleich intensiver im Geschmack. Da sie länger an der Staude reifen darf, entwickelt sie eine konzentrierte Süße und eine fast cremige Textur. Man findet die Plantagen überall an den sonnigen Küstenstreifen unterhalb einer Höhe von etwa 300 Metern – oft direkt neben den Wanderwegen an den Levadas.
Passionsfrucht – Maracuja in allen Variationen
Madeira kennt nicht nur eine Maracuja, sondern viele. Neben der klassischen violetten Passionsfrucht gibt es hier die Tomaten-Maracuja (Tamarillo), die mit ihrer rötlichen Farbe und ihrem süß-säuerlichen Aroma überrascht, die Zitronen-Maracuja, die mit frischer Säure besticht, und sogar eine Bananen-Maracuja (Curuba), deren Geschmack an ihre längliche Namensvetterin erinnert.
Tipp für den Marktbesuch: Auf dem berühmten Mercado dos Lavradores werden oft Probierstücke angeboten. Aber Vorsicht: Die Preise dort sind oft touristisch hoch angesetzt. Auf kleineren Wochenmärkten in Orten wie Ribeira Brava oder Santo da Serra kauft man meist günstiger und authentischer.

Cherimoya – Das cremige Wunder
Die Cherimoya (auch Zuckerapfel genannt) sieht mit ihrer grünen, schuppigen Schale fast wie ein Drachenei aus. Im Inneren verbirgt sich ein schneeweißes Fruchtfleisch mit schwarzen Kernen (nicht mitessen!). Der Geschmack ist eine Offenbarung: Eine Mischung aus Vanille, Birne und Erdbeere. Am besten löffelt man sie direkt aus der Schale, wenn sie auf Fingerdruck leicht nachgibt.

Pitanga – Die feine Kirschalternative
Die Pitanga erinnert optisch an eine kleine, gerippte Kürbis-Miniatur oder eine Paprika. Ihr Geschmack ist einzigartig: Ein Mix aus süß, sauer und einer leicht harzig-würzigen Note. Sie ist extrem reich an Vitamin C, aber aufgrund ihrer dünnen Haut sehr druckempfindlich – weshalb man sie fast nur direkt auf der Insel und kaum im Export findet.

Monstera deliciosa – Die Ananasbanane
Die Monstera ist bei uns als pflegeleichte Zimmerpflanze bekannt. Im richtigen Klima trägt sie einzelne Früchte. Diese bizarre Frucht verdient ihren Namen: „deliciosa“ für den einzigartigen Geschmack, eine Mischung aus Banane, Ananas und Vanille, und „monstera“, weil sie an eine grüne Riesenschote erinnert. Nur Geduld ist gefragt – erst wenn die Schale sich von selbst löst, ist die Frucht genießbar.
Die Frucht des Fensterblatts sieht aus wie ein riesiger, grüner Pinienzapfen.
- Wichtig: Essen Sie die Frucht niemals unreif! Die enthaltenen Oxalsäure-Kristalle verursachen ein schmerzhaftes Brennen im Mund.
- Woran erkennt man die Reife? Die sechseckigen Schuppen lösen sich von allein und fallen ab, sobald das darunterliegende Fruchtfleisch weich ist. Der Geschmack hält, was der Name verspricht: Ein Mix aus Ananas, Banane und einem Hauch Erdbeere.
Achtung: Unreif verzehrt, kann die Frucht zu schweren Reizungen in Mund und Hals führen – die enthaltene Oxalsäure wird erst mit dem Reifeprozess abgebaut.

Weitere exotische Schätze auf Madeira
Neben den Klassikern gibt es je nach Saison noch viel mehr zu entdecken:
| Frucht | Geschmacksprofil | Besonderheit |
| Baumtomate (Tamarillo) | Herb-säuerlich | Perfekt für Poncha oder Löffelgenuss mit etwas Zucker. |
| Avocado | Extrem cremig | Die hiesigen Sorten sind oft viel fettreicher und aromatischer. |
| Guave | Blumig-süß | Duftet extrem stark; fantastisch als Gelee oder im Dessert. |
| Kaktusfeige | Erfrischend | Wachsen wild an den Hängen; Vorsicht vor den feinen Stacheln! |
| Nesperas (Wollmispeln) | Süß-säuerlich | Die ersten Frühlingsboten (März/April), erinnern an Aprikosen. |

Ein Fest der Sinne – Märkte und Anbaugebiete
Wer das volle Spektrum dieser fruchtigen Wunder erleben möchte, besucht die Märkte von Madeira. Besonders der Mercado dos Lavradores in Funchal ist ein wahres Farbenmeer aus üppigen Früchten und betörenden Düften. Hier mischt sich das Tropische mit dem Heimischen – Mangos und Maracujas liegen neben Äpfeln, Birnen und Mandarinen aus dem Hochland.
Ein besonderer Ort für Obstliebhaber ist die Fajã dos Padres, eine abgeschiedene Landzunge, die nur per Seilbahn oder Boot erreichbar ist. Hier gedeihen unter perfekten Bedingungen einige der süßesten und seltensten Früchte der Insel.
Madeira ist eine Insel des Genusses – und ihre Früchte sind der süßeste Beweis dafür. 🍍🥭🍌


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